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Gustin & Zieser Architekten

Renaissanceschloss Gemeindezentrum

St. Peter in der Au, NÖ — Generalsanierung,  2008

Das Renaissanceschloss St. Peter in der Au ist ein ehemaliges Wasserschloss mit mittelalterlichem Ursprung. Es besitzt einen zinnengekrönten Turm aus dem Mittelalter und wurde in der Renaissancezeit umfassend umgebaut. Der Zugang erfolgt über eine gemauerte Brücke, die zu einem Renaissance-Eingangstor mit den erhaltenen Rollen der einstigen Zugbrücke führt. Die Eingangshalle ist eine zweischiffige Querhalle mit Kreuzgratgewölben. Im 16. Jahrhundert wurden im Innenhof Laubengänge errichtet, die das Erscheinungsbild des Schlosses bis heute prägen.

1999 wurde das Schloss von der Gemeinde St. Peter in der Au erworben. Ein Jahr später lobte die Gemeinde einen geladenen Architektenwettbewerb aus, mit dem Ziel, das Schloss für die Bewerbung zur NÖ Landesausstellung 2007 zu adaptieren. Das Umbaukonzept verfolgte zwei zentrale Ziele: die denkmalgerechte Sanierung des historischen Bestands und die funktionale Neuordnung der inneren Abläufe durch gezielte Eingriffe. Diese Eingriffe erfolgten klar, präzise und nur dort, wo sie notwendig waren, um die Nutzung des Gebäudes zukunftsfähig zu machen.

Nach der Landesausstellung wurden die umgebauten Bereiche dauerhaft als Gemeindezentrum und Veranstaltungsort genutzt. Heute bietet das Schloss Raum für kulturelle und gesellschaftliche Ereignisse und bildet dabei einen repräsentativen Rahmen im Ortszentrum. Es erfüllt sowohl die Anforderungen des öffentlichen Lebens als auch den Anspruch, ein historisches Baudenkmal zu wahren und weiterzuführen.

Renaissanceschloss Gemeindezentrum Sanierung
 

Renaissance-Architektur und moderne Renovierungen

Ein wesentlicher Bestandteil des Umbaus war die neue Haupttreppe im Inneren des Gebäudes. Diese wurde zentral positioniert, um die vertikale Erschließung zu verbessern und die verschiedenen Ebenen funktional miteinander zu verbinden. Für den Einbau mussten rund 3,5 Meter der massiven Außenmauer durchbrochen werden – ein Eingriff, der mit großer Sorgfalt geplant und umgesetzt wurde. Ein Teil des alten Mauerwerks wurde bewusst sichtbar belassen und dokumentiert den historischen Aufbau des Gebäudes. Die neue Treppe erfüllt nicht nur technische Anforderungen, sondern bildet auch ein verbindendes Element zwischen Alt und Neu. Im Obergeschoss wurden mehrere kleinere, zuvor getrennte Räume zusammengelegt, um einen großzügigen Ballsaal zu schaffen. Dieser neue Saal ermöglicht vielfältige Nutzungen – von offiziellen Empfängen bis zu kulturellen Veranstaltungen – und wertet das Gebäude funktional und gestalterisch deutlich auf. Die Verbindung von historischen Bauelementen mit einer klaren, zeitgemäßen Architektursprache macht diesen Umbau zu einem gelungenen Beispiel für den respektvollen Umgang mit bestehender Bausubstanz.

Renaissanceschloss Gemeindezentrum Sanierung

Technische Innovation für den Schlosshof

Für Veranstaltungen mit bis zu 500 Personen entstand die Idee, den Innenhof zu überdachen. Um den denkmalgeschützten Bestand nicht zu beeinträchtigen, entwickelte man gemeinsam mit dem Bundesdenkmalamt eine Lösung, die temporär und reversibel ist. Entstanden ist ein hydraulisches Schirmdach mit unterschiedlich langen Armen, das bei Bedarf vollständig ausgefahren werden kann. Es schützt vor Regen, Wind und starker Sonneneinstrahlung und ermöglicht die flexible Nutzung des Innenhofs für verschiedenste Veranstaltungen.

Das System wurde gemeinsam mit dem Schweizer Unternehmen Texlon aus Giswil entwickelt. Es handelt sich um den weltweit ersten vollständig einfahrbaren Schirm dieser Größe und Komplexität. Das Dachkonzept erlaubt einen wetterunabhängigen Betrieb und wahrt gleichzeitig das Erscheinungsbild des Schlosses. Bei geschlossenem Zustand bietet es Schutz und Komfort, bei geöffnetem Zustand bleibt der historische Innenhof vollständig erlebbar. Die Konstruktion ist technisch anspruchsvoll, jedoch minimalinvasiv ausgeführt und respektiert die historische Substanz.

Die Renovierung des Schlosses St. Peter in der Au ist ein Beispiel für den gelungenen Umgang mit denkmalgeschützter Bausubstanz. Die Maßnahmen zeigen, wie sich historische Architektur mit heutigen Anforderungen verbinden lässt, ohne den Charakter des Bauwerks zu zerstören. Durch präzise Eingriffe, kluge technische Lösungen und die enge Zusammenarbeit mit Denkmalschutz und Fachplanern wurde ein multifunktionaler Ort geschaffen, der Geschichte bewahrt und gleichzeitig zukunftsfähig ist.

St.Peter Umbrella BW 8510286b

Facts

Name
Renaissanceschloss Gemeindezentrum
Ort
St. Peter in der Au
Jahr
2008
Größe
Typ
Öffentlich